Hermann Lueer, Der Grund der Finanzkrise. Von wegen unverantwortliche Spekulanten und habgierige Bankmanager, Edition Octopus, 2. Aufl. 2009, 128 S., € 12,50 oder 10 € inkl. Porto direkt vom Autor: herluee@yahoo.com
Kein Untergang des Wirtschaftssystems, sondern Neuanfang auf Kosten des Großteils der Bevölkerung
Komische Wirtschaftskrise. Offensichtlich gibt es von allem zu viel. Zu viele Häuser und Wohnungen, zu viele Autos, zu viele Lebensmittel etc. Das volkswirtschaftliche Angebot ist zu groß für die Nachfrage, es gibt nicht zu wenig Produktion, sondern Überkapazitäten. Wo soll man hin mit all den nützlichen Sachen, die produziert wurden. Arbeitnehmer werden entlassen und damit ausser Lohn und Brot gesetzt, weil zu viel produziert wurde. Nützliche Gebrauchsgegenstände liegen auf Halde und funktionierende Produktionsstätten werden geschlossen wegen zu geringer Nachfrage bei gleichzeitiger Massenverelendung. Die Verarmung und damit der Ausschluss vom Reichtum steigt und alles ohne wirkliche Not – keine Überschwemmung, kein Erdbeben, kein Feuer. Gemessen an der zahlungsfähigen Nachfrage ist einfach zu viel produziert worden. Es wurde auf Halde produziert, ist das bekannte Synonym für Konjunkturkrise. Die Versorgung mit Gebrauchsgegenständen könnte also genauso weiter stattfinden, wenn die planmäßige Gebrauchswertherstellung und -verteilung Zweck und nicht nur Mittel der Produktion wäre. Ist sie aber nicht.
Die Marktwirtschaft als effizientes Steuerungssystem zur Versorgung der Menschen? Spätestens in der Krise wird augenfällig, dass es den Besitzern der Produktionsmittel nicht um die Produktion und Verteilung nützlicher Gebrauchsgegenstände geht. Diese sind lediglich Mittel zum Zweck. Der eigentliche Zweck ist die Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Die Investitionen in Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte und der Verkauf der über ihre Anwendung produzierten Gebrauchswerte müssen nachhaltig einen Gewinn für den Investor abwerfen, sonst wird nicht produziert. Dieser einfache Grundsatz – es muss sich für den Besitzer der Produktionsmittel lohnen – ist das Kernelement, mit dem sich Marktwirtschaft von planmäßiger Gebrauchswertproduktion unterscheidet. Lediglich zusätzliche Lebensmittel zu produzieren, ist vom marktwirtschaftlichen Zweck der Vermehrung des eingesetzten Kapitals kein vernünftiger Grund zur Produktion. Für wie viele – über die Eigentumsverhältnisse von den Produktionsmitteln ausgeschlossene Menschen – diese Entscheidung das nackte Elend bedeutet, interessiert vom Standpunkt der Marktwirtschaft nicht. Nachfrage (d.h. menschliche Bedürfnisse), die nicht zahlungsfähig ist, existiert für diesen Zweck gar nicht. So gehen Massenverelendung und Schließung von vorhandenen Produktionsstätten zusammen.
Dabei gäbe es für den Zweck, Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskraft einzusetzen, um nützliche Gebrauchsgegenstände zur Versorgung der Menschen zu produzieren, überhaupt keinen Grund zur Krise. Produktivitätssteigerungen könnten bei fehlender Nachfrage zu Arbeitszeitreduzierungen oder je nach Bedarf bei gleicher Arbeitszeit zur Steigerung der Gebrauchswertproduktion genutzt werden. Bei der Frage, ob sich Wirtschaftswachstum lohnt, wären selbstverständlich immer der Arbeitsaufwand und die Arbeitsbedingungen, das heißt die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung, ein Bestandteil der Entscheidung. Nullwachstum, der Albtraum jedes Unternehmers, wäre kein Grund zur Krise.
Wie kommt es demgegenüber zu dem marktwirtschaftlichen Phänomen der Wirtschaftskrise, in der Produktionsstätten geschlossen, Maschinen verschrottet und Arbeitnehmer entlassen werden, obwohl alle Produktionsbedingungen unverändert vorhanden sind? Warum lohnt es sich plötzlich für viele Unternehmen nicht mehr, zu produzieren?
Ursachen der Finanzkrise [345 KB] |
Falsche Zahlenspiele [544 KB] |