Finanzkrise

Kein Untergang des Wirtschaftssystems, son­dern Neuanfang auf Kosten der abhängig Beschäftigten

 

Komische Wirtschaftskrise. Offensichtlich gibt es von allem zu viel. Zu viele Häuser und Wohnungen, zu viele Autos, zu viele Lebensmittel etc. Das volkswirtschaftliche Angebot ist zu groß für die Nachfrage, es gibt nicht zu wenig Produktion, sondern Überkapazi­täten. Wo soll man hin mit all den nützlichen Sachen, die pro­duziert wurden. Arbeit­nehmer werden entlassen und damit aus­ser Lohn und Brot gesetzt, weil zu viel produziert wurde. Nütz­liche Gebrauchs­gegenstände liegen auf Halde und funktionie­rende Produktions­stätten werden geschlossen wegen zu geringer Nachfrage bei gleichzeitiger Massenverelendung. Die Verarmung und damit der Ausschluss vom Reichtum steigt und alles ohne wirkliche Not – keine Überschwemmung, kein Erdbeben, kein Feuer. Gemessen an der zahlungsfähigen Nachfrage ist einfach zu viel produziert worden. Es wurde auf Halde produziert, ist das bekannte Synonym für Konjunkturkrise. Die Versorgung mit Gebrauchs­gegenständen könnte also genauso weiter stattfinden, wenn die plan­mäßige Gebrauchswertherstellung und -verteilung Zweck und nicht nur Mittel der Produktion wäre. Ist sie aber nicht.


Wirtschaftskrisen gelten als ein ganz normales Phänomen in der Marktwirtschaft. Kei­ner findet das gut, aber richtig störend in dem Sinne, dass man darüber das Wirtschaftssystem in Frage stellt, findet dies auch keiner, und das, obwohl die Folgen der Wirtschaftskrise für den Großteil der Bevölkerung alles andere als angenehm sind.

 
Die Marktwirtschaft als effizientes Steuerungssystem zur Ver­sorgung der Menschen? Spätestens in der Krise wird augenfällig, dass es den Besitzern der Produktionsmittel nicht um die Pro­duktion und Verteilung nützlicher Gebrauchsgegenstände geht. Diese sind lediglich Mittel zum Zweck. Der eigentliche Zweck ist die Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Die Investitionen in Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte und der Verkauf der über ihre Anwendung produzierten Gebrauchswerte müssen nachhaltig einen Gewinn für den Investor abwerfen, sonst wird nicht produziert. Dieser einfache Grundsatz – es muss sich für den Besitzer der Produktionsmittel lohnen – ist das Kern­element, mit dem sich Marktwirtschaft von planmäßiger Gebrauchswertproduktion unterscheidet. Lediglich zusätzliche Lebensmittel zu produzieren, ist vom marktwirtschaftlichen Zweck der Vermehrung des eingesetzten Kapitals kein vernünf­tiger Grund zur Produktion. Für wie viele – über die Eigen­tumsverhältnisse von den Produktionsmitteln ausge­schlossene Menschen – diese Entscheidung das nackte Elend bedeutet, interessiert vom Standpunkt der Marktwirtschaft nicht. Nach­frage (d.h. menschliche Bedürfnisse), die nicht zahlungs­fähig ist, existiert für diesen Zweck gar nicht. So gehen Massen­verelen­dung und Schließung von vorhandenen Produktions­stätten zu­sammen.

Dabei gäbe es für den Zweck, Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskraft einzusetzen, um nützliche Gebrauchsgegenstände zur Versorgung der Menschen zu produzieren, überhaupt kei­nen Grund zur Krise.  Produktivitätssteigerungen könnten bei fehlender Nachfrage zu Arbeitszeitreduzierungen oder je nach Be­darf bei gleicher Arbeitszeit zur Steigerung der Gebrauchs­wert­produktion genutzt werden. Bei der Frage, ob sich Wirt­schafts­wachstum lohnt, wären selbstverständlich immer der Ar­beits­auf­wand und die Arbeitsbedingungen, das heißt die Ge­sundheit der arbeitenden Bevölkerung, ein Bestandteil der Ent­scheidung. Nullwachstum, der Albtraum jedes Unterneh­mers, wäre kein Grund zur Krise.


Wie kommt es demgegenüber zu dem marktwirtschaftlichen Phänomen der Wirtschaftskrise, in der Produktionsstätten ge­schlossen, Maschinen verschrottet und Arbeitnehmer entlassen werden, obwohl alle Produktionsbedingungen unverändert vor­handen sind? Warum lohnt es sich plötzlich für viele Unter­nehmen nicht mehr, zu produzieren?